Die Kuh, die lacht

Was haben Gurken, Papier, Stacheldraht und Piratenbekämpfer gemeinsam? Man kann die Verarbeitung, das Produkt oder die Dienstleistung zertifizieren lassen. Wenn nach einigen Schulungstagen und unendlicher Bürokratie dann endlich die Urkunde an der Wand hängt, könnte man wahrhaftig auf den Gedanken kommen, man hätte jetzt eine besondere Befähigung auf „seinem“ Gebiet. Dabei bedeutet Zertifizierung im schlimmsten Fall nur, dass man mit einem sehr gut bezahlten Zertifizierer im gleichen Raum gesessen hat. Aber wir lieben sie, unsere Zertifikate. Und unsere Kunden drohen mit Liebesentzug, wenn auf der Homepage nicht wenigstens ein paar wichtige Urkunden – bevorzugt umweltrelevant – auftauchen.

Das war nicht immer so. Es gab auch in unserer Branche Zeiten, da ging noch was ohne Zertifikat: Die chlorfreie Papierbleiche klappte doch tatsächlich noch ohne Audit, Urkunde und fünfstellige Rechnung. Aber 1996 waren die Powerpointjongleure noch nicht so weit. Das hat sich geändert. Schnell ein Zertifizierungsritual ausgedacht, Lobby- und PR-Arbeit an den wichtigen Stellen und ab geht die (Geld)-Post. Wichtigstes Merkmal: Es muss gut, edel und beglückend sein. Wir retten Felder, Wälder und die dazu gehörenden Spitzmäuse und Borkenkäfer. Es reicht eine kleine Gruppe von Beratern, die einfach nur zum richtigen Zeitpunkt die richtige Idee vermarkten. Ist ja nichts Böses, wenn man Ideen zu Geld macht – am besten mit jährlicher Re-Zertifizierung.

Ärgerlich wird es nur, wenn man denjenigen ein schlechtes Gewissen vermittelt, die nicht jeden Zertifizierungsblödsinn mitmachen. Und da sind wir bei unserer Branche. Natürlich kann man alles, wirklich alles auf FSC-zertifiziertem Papier drucken ohne sich der Wahnsinnsbürokratie des vom Forest Stewardship Council vorgeschriebenen Prüfungen zu unterwerfen. Denn natürlich nützt der Prozess zu allererst allen Umweltbeauftragten, den Beratungsunternehmen und den Auditoren. Ob dadurch ein einziger Baum gerettet wird, kann man eher nicht feststellen. Grund dafür ist, dass Zertifizierungen für Papier – unserem Rohstoff – aus der Holzwirtschaft kommen und nur den Rohstoff Holz im Blick haben. Was bei der Herstellung des Zellstoffs, bei der eigentlichen Produktion des Papiers oder was in den Druckereien passiert, interessiert niemanden. Der Verbraucher sieht das Siegel und denkt an „Umweltfreundlichkeit“. Dabei kann das Holz aus Indonesien sein, die Papierfabrik unnötig viel Wasser und Energie verschwenden und sogar mit Chlor bleichen. Egal. Den Drucker fragt auch niemand, ob er eventuell Ökofarben eingesetzt hat oder alkoholreduziert druckt. Und jetzt wird’s sogar pervers: Man kann FSC-Papier mit UV-Farben bedrucken, so dass es nicht mehr recyclingfähig ist und als Sondermüll entsorgt werden muss. Und dafür lassen wir uns von Beratungsunternehmen gängeln, die zu Audits mit Stundensätzen anreisen, bei denen sogar Rechtsanwälte oder Steuerberater feuchte Augen bekommen.

Qualität und Umweltbewusstsein sind Werte der Unternehmer und der Unternehmen, die gelebt werden müssen, selbst wenn im Flur keine Urkunde mit fettem Stempel hängt. Und wenn man trotzdem das Logo verwendet, liegt das ganz gewiss nicht daran, dass man seinen gelebten Umweltschutz unter Beweis stellen will. Es liegt an dem Handlungsdruck, den die Zertifizierer mit viel Lobbyarbeit und Marketing in die Welt gesetzt haben. Kein Drucker ohne das FSC-Siegel darf einen VW-Prospekt drucken. Ausliefern darf er allerdings mit einem Auto, das mit betrügerischer Software unsere Umwelt mehr schädigt, als alle nicht zertifizierten Bäume dieser Welt.

Bei uns können Sie zwar Ihre Produkte mit verschiedenen Zertifizierungen produzieren lassen, jedoch geht unser Umweltengagement weit darüber hinaus.
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