Plädoyer eines Papierliebhabers

Es ging um einen Kalender für eine Fluggesellschaft. Auf die Frage nach dem Papier kam die Antwort des Einkäufers klar und präzise: »Weiß!« Nichts einfacher als das: Bei etwa 1.600 in Deutschland verfügbaren „weißen“ Papieren dürfte auch für ihn etwas dabei sein. Schneeweiß vielleicht? Doch wie weiß ist eigentlich Schnee; unterscheiden sich nicht Neu-, Pulver-, Firn-, Sulz-, Büßer- oder gar Blutschnee optisch immens voneinander? Und die Oberfläche? Holzfrei matt, glänzend, satiniert? Reden wir auch noch über die Grammatur? Für eine digitale Information gibt es zwei Parameter: 1 und 0, Strom oder kein Strom. Das Ergebnis sind digitale Informationen, bestehend aus vielen Bits. Die optischen Möglichkeiten sind überragend: Bunt, bewegt, schrill oder zurückhaltend. Da mag sogar auch mal ein Bildschirm für 99 Euro aus dem Mediamarkt reichen.

Kann man den Wert eines Buchs anhand der Anzahl seiner Buchstaben bemessen? Wohl kaum. Für das Besitzenwollen eines gedruckten Produkts gibt es also Gründe, die nicht so einfach zu messen sind. Wohl jeder hat schon einmal ein Buch gekauft, nur weil der Schutzumschlag so schön war. Und als vor einigen Jahren die TUI ihren ersten Reiseprospekt – für die Robinson-Clubs – auf Naturpapier druckte, hatte man ein vollkommen neues Urlaubsvorfreudegefühl in der Hand. Und warum werden eigentlich Millionen Fotobücher gedruckt, obwohl man sich doch jede Aufnahme viel schneller auf dem iPad ansehen kann?

Den Unterschied zwischen der nackten digitalen Information und deren Herausgabe auf Papier so zu bearbeiten, dass daraus ein echter Mehrwert entsteht, ist unsere vornehmste Aufgabe. Die haptische Kommunikation ist ein analoger Vorgang und damit ein realer Transport von Werten. Journalisten oder Schriftsteller werden darauf bestehen, dass es nur auf den Inhalt ankommt. Natürlich. Mal mehr, mal weniger. Aber unser Beitrag mit unserem Rohstoff, dem Papier, kann aus einer Textwüste ein Erlebnis oder aus einem eher langweiligen Produkt einen Verkaufsschlager machen. Wie langweilig muss es sein, den grandiosen Sprach-Roman von Wolf Haas, »Verteidigung der Missionarsstellung« (Hoffmann und Campe), ohne unser« Papier zu lesen, nur als E-Book? Heute geben wir sehr viel Geld aus, um alte Schriften zu restaurieren, historische Manuskripte gegen den Säurefraß zu schützen. Niemand würde auf die Idee kommen, dass es ausreicht, die Gutenberg-Bibel zu scannen, um so deren Inhalt zu bewahren.

Und dabei muss das Buch nicht einmal alt sein. Zuletzt hat sich das aktuelle Buch „FUTURA. Die Schrift*“ aus dem Hermann-Schmidt Verlag in Mainz vom Type Directors Club einen »Award for Typographic Excellence« sichern können. Wer dieses tolle Buch einmal in der Hand gehalten hat, weiß, warum man nicht aus jedem Buchstaben Pixel machen kann und sollte.

*(Gebundene Ausgabe: 520 Seiten, Verlag Hermann Schmidt, ISBN-13: 978-3874398930)

 

Papierliebhaber Reinhard Berlin mit Broschüre von Mowhawk über die Wollemi-Kiefer

Eine kleine Geschichte am Rande: Ich besitze ein Kleinod aus Papier. Vor vielen Jahren verteilte die feine, amerikanische Papiermühle Mohawk auf der Fachmesse IPEX in Birmingham eine auf ihrem Naturpapier Options gedruckte Broschüre. Unter dem Titel »Lost/Found« berichtet sie von der wohl ältesten Pflanze der Welt, der Wollemi-Kiefer. Nur Fossilien erinnerten an sie, die schon vor mehr als zwei Millionen Jahren ausgestorben sein sollte. Doch 1994 hatte der australische Parkaufseher David Noble eine Sensation entdeckt: eine Gruppe Wollemis in einer abgelegenen Schlucht. Heute gibt es etwa 100 dieser Bäume – an einem geheim gehaltenen Ort, da schon kurz nach ihrer Wiederentdeckung von Menschen eingebrachte Pilze den Bestand zu zerstören drohten. Die Broschüre auf dem Feinstpapier Options hüte ich wie die Australier ihre seltene Pflanze. Über deren Inhalt wiederum stieß ich auf mein Lieblingsbuch »Die feine New Yorker Farngesellschaft: Ein Ausflug nach Mexiko« des bekannten Gehirnforschers Oliver Sacks. Letztens, als ich in Hamburg das Glück hatte, John O’Connor, Senior Vice President von Mohawk, kennenzulernen, erzählte ich ihm von meinem haptischen Glück. Wir brauchten einen ganzen Abend, um uns über sein wunderbares Papier und die älteste Pflanze der Erdgeschichte auszutauschen. Was wäre von meinem Interesse geblieben, hätte ich die Wollemi-Story vor 15 Jahren im Internet gelesen?

 

In unserem Leitbild steht, dass wir fest von dem Mehrwert, der durch Druckprodukte auf tollem Papier ensteht, überzeugt sind. Sie wollen auch mithilfe eines hochwertigen Druckproduktes einen Mehrwert gegenüber digitalen Informationen schaffen? Bei uns sind Ihnen alle fleißigen Berliner und Papierliebhaber gerne behilflich.