Druckabstimmung – Heutzutage noch notwendig?

Schuhe, Jeans und immer wieder Tabak, Tabak, Tabak. Was haben wir die Druckabstimmungen geliebt, wenn wieder einmal mehrere Sorten Tabak auf unseren Tischen ausgebreitet wurden. Der Duft von Black Diamond oder Dunhill Navy Rolls durchflutete das ganze Gebäude. Heute geben digitale Informationen bei Farbabstimmungen an der Druckmaschine den Ton an. The times they are a changing.

Verging noch vor wenigen Jahren kaum ein Tag an dem nicht Grafiker, Kunden, Produktioner das Feintuning vor Ort an den Druckmaschinen per Sichtkontrolle und Farbzonenschrauben unter Vorlage der Originalprodukte bestimmten, wird heute die Regie von drei Buchstaben übernommen: PSO. Prozess Standard Offset – oder wie bei uns der erweiterte Standard: Zertifiziert nach Living PSO.

Hiermit wird die industrielle und standardisierte Produktion im Offsetdruck beschrieben. Seit 2004 ist die ISO-Norm 12647-2 die Leitlinie für die Produktion von der Datenerzeugung bis zum Druckergebnis. Dabei sind nicht nur die Farben, sondern auch die Tonwertzunahme oder Papiere unter bestimmten Lichtverhältnissen ein Teil der genormten Prozesse. Um die Einhaltung des Standards zu messen, gibt es Prüfmittel wie z. B. den Medienkeil sowie Messtechnik (spektral und densitometrisch). Aber natürlich ist Standard immer nur Standard und nicht Spezial. Welchen Einfluss der Lichteinfall auf ein Produkt und die Verkaufsmöglichkeiten vor Ort hat, muss hier nicht besonders erwähnt werden. Ein Tick wärmer – und die Chancen auf höheren Absatz können steigen.

Immer wieder werden wir gefragt, ob eine Druckabnahme an der Maschine notwendig ist. Die Möglichkeit besteht selbstverständlich und wir laden jeden Kunden gerne zu einem Besuch zu uns in die Druckerei ein. Die „Notwendigkeit“ ist natürlich relativ. Für den Drucker kostet es in der Regel etwas mehr Zeit, aber – ist der Druckbogen abgenommen und unterschrieben – ist er Referenz und kann nur noch bei Abweichungen davon reklamiert werden. Das Problem liegt an anderer Stelle: Grundsätzlich sollte es so sein, dass eine Farbkorrektur an der Druckmaschine nur noch zu einem sehr geringfügigen Teil stattfinden darf. Farbwirkungen und Stimmungen der Bilder müssen in einer professionellen Bildbearbeitung vorher eingestellt werden. Nur dann kann tatsächlich auch ein Druck nach Standarddichtewerten und vorgegebenen Normen stattfinden und das Ergebnis entspricht dem vorher festgelegten Gesamteindruck. Spätere Reproduzierbarkeit bei anderen Materialien oder etwa bei Nachdrucken ist wesentlich schwieriger, wenn bei Abstimmungen an der Maschine die Farbzonenschrauben zu sehr „gekitzelt“ wurden.

Und natürlich ist auch das persönliche Farbempfinden der abstimmenden Person sehr individuell und ganz sicher nicht so statisch wie eine Matheformel. Und damit wären wir wieder beim manuell abgestimmten Tabak: „Rot plus, Rot Plus, Rot plus“. Der Magentaverbrauch stieg, der Tabak wurde wärmer, fing fast von alleine an zu qualmen – aber der Druckbogen wurde mehr und mehr zur Makulatur. Aber, da waren ja noch die fleißigen Drucker vom Bremer Kreuz, die ein etwas anderes Rot-Verständnis hatten und die Reißleine zogen.

Man kann auch heute noch manuell an der Druckmaschine abstimmen. Es bleibt jedem Kunden überlassen, wie er damit umgeht. Rein statistisch werden heute sicher 99% aller Drucksachen über standardisierte Prozesse wie PSO/Living PSO, ICC-Profile und das geschulte Auge der gelernten Drucker an der Maschine gesteuert. Und die Reklamationen, die sich auf Farbgebung beziehen, sind gegenüber früheren Jobs vor der Standardisierung auf ein absolutes Minimum gesunken.

Unsere Kunden entscheiden selbst. Wir freuen uns über jeden Besuch am Bremer Kreuz.

Erfahren Sie mehr über unsere Standards oder besuchen Sie uns virtuell, in unserem 360° Rundgang.