Jetzt also auch AUDI…

Jetzt also auch AUDI. Nach Daimler will jetzt auch AUDI auf gedruckte Autoprospekte verzichten. Die Begründung: Aufwand, Zeit, Verteilung, Umwelt. Geschenkt.

Man könnte zur Tagesordnung übergehen, wenn da nicht einige Fragen offenbleiben würden. Wie hält man es mit der Wertschätzung der Kunden, wenn man die Nachhaltigkeit des Angebots auf ein flüchtiges Medium wie das Internet überträgt? Welche Bedeutung hat die ruhige Beschäftigung mit einem Produkt, das wahrscheinlich über Fünfzigtausend Euro kosten wird? Will man die Kunden nicht in entspannten Momenten mit ausführlichen Informationen erreichen? Kennt man in Ingolstadt und Stuttgart nicht die zahlreichen Studien, die die Vorteile von Print nachgewiesen haben? Printwerbung kann im Gegensatz zu TV-, Radio-, oder Onlinewerbung mehrfach genutzt werden, die Zielgruppensteuerung ist präziser, die Glaubwürdigkeit höher und auch die Unabhängigkeit von digitalen Geräten ist als Vorteil nicht zu unterschätzen.

Online-Werbung ist schnell, präzise und nahezu überall einsetzbar. Aber sie ist eben auch flüchtig, oft beliebig, wenig unterscheidbar. Viele Informationen gehen schnell unter im unendlichen Datenstrom.

Hat man darüber nachgedacht, dass ein überreichter Prospekt eine persönliche Adressierung beinhaltet, in der Absender und Empfänger auf einer Informationsebene agieren?

Nach wie vor sind schön gestaltete, am besten noch individualisierte, Broschüren, Mailings oder Kataloge unverzichtbar, um überhaupt erst Interesse zu wecken oder den Kunden auf ein Produkt aufmerksam zu machen. Ergänzende Informationen oder crossmediale Nachfragemöglichkeiten werden zusätzlich online angeboten. Klar.

Wir haben kürzlich eine Kundenzeitschrift für einen großen Bushersteller gedruckt. Auf einem Bild ein nagelneuer Bus in einer wunderschönen Berglandschaft. Daneben ein AR-Marker (Augmented Reality). Ein Scan auf dem Handy und der Bus wurde „lebendig“. Auf dem Bildschirm konnte man ihn fahren sehen, ins Cockpit schauen und so ein gutes Gefühl für seine nächste Investition bekommen.

Aber einfach nur klick, klick, klick und den „alten Hut“ Auto konfigurieren mit aufdringlicher Musik hinterlegen? Nein, ihr lieben Marketer der Autokonzerne. Das reicht nicht. Nicht heute, nicht morgen und auch nicht übermorgen. Bei euren Streichaktionen entledigt ihr euch der Möglichkeiten, die Haptik, Ruhe und Nachhaltigkeit als Verkaufsförderung immer noch bieten.

Und auf die Idee, dem potenziellen Kunden „sein“ konfiguriertes Fahrzeug auf Papier gedruckt an die Hand zu geben muss man ja auch erst einmal kommen. Aber natürlich ist es einfacher mit dem dicken Rotstift zu dirigieren, als sich mit den Möglichkeiten modernster, individueller Drucktechnik zu beschäftigen.

Also, Marketer der Großkopferten: Hinsetzen: 6*

*Zur Ehrenrettung der Marketer sei hier noch der Hinweis angebracht: Es waren wahrscheinlich nicht die Leute aus dem Marketing, die falsch abgebogen sind. Sicher waren es die Controller, die gerade eine Druckereirechnung auf der SOLL-Seite ihrer Excel-Tabelle eintragen mussten.