Schwarz auf weiß

Print verkauft.

Es war ein Freitag der 13., an dem BMW bekannt gab, künftig auf sein gedrucktes Kundenmagazin komplett zu verzichten. Und als Osterüberraschung verkündete Allnatura am Gründonnerstag, 30 Jahre nach der ersten Auflage, seine wöchentlichen Angebotsblätter in gedruckter Form zu beerdigen. Wie bei der Lufthansa, die schon seit einem Jahr keine gedruckten Magazine mehr für die Holzklasse bereithält (First und Business natürlich weiterhin), wird dies mit umweltbewusstem Verhalten begründet. Die Liste der Papierverweigerer könnte hier leicht fortgesetzt werden.

Natürlich ist das ein Fehler. Nicht nur weil das für den Handel wichtige EHI Retail Institut in einer großen Studie gerade bescheinigt hat, dass „am klassischen Handzettel heute im Handel kein Weg vorbeiführt. „Er ist das Medium mit der größten wirtschaftlichen Bedeutung und die günstigste Form der Angebotskommunikation im Lebensmittelhandel bei gleichzeitig größtem Werbeeffekt.“ (https://www.ehi.org/de/studien/whitepaper-die-zukunft-der-angebotskommunikation-im-leh/). Jetzt muss ein Newsletter den CO²-Verbrauch bei der Papierherstellung substituieren.

Print vs. Digital

Dabei wollen wir uns gar nicht in den Streit der Experten einmischen, ob 95, 96 oder 97 Prozent der Newsletter schon beim ersten Aufploppen gelöscht werden. Als Drucker interessieren wir uns in erster Linie für die Wirkung und Nachhaltigkeit der Kommunikation. Schwarz auf weiß, gefühlvolle Haptik oder irrelevante Klickmaschinen? Und da kann kein Medium dem Druckerzeugnis das Wasser reichen. Wir wollen nicht darüber jammern, dass gedruckte Objekte vielfach dem Online-Veröffentlichung zum Opfer fallen. Lose-Blatt-Sammlungen, Lexika oder Gesetzestexte sind im Netz sicherlich besser aufgehoben als im Aktenschrank.

In der Abwägung Print oder elektronische Medien kommt es einfach darauf an, das richtige Medium für den richtigen Einsatzzweck zu nutzen. Printmedien werden durch den Nutzer meist sehr intensiv und über die reine Klicksuche hinaus zu einem Produkt genutzt. Dies ist einer der größten Vorteile im Vergleich zu digitalen Medien. Und wer liest schon gerne Texte auf seinem Smartphone? Gerade viel beschäftigte Menschen bevorzugen es, ihre Lektüre nach einem anstrengenden Tag abends zu Hause entspannt zu lesen.

Online Werbung. Ein Trauerspiel?

Aber: Es wird gespart, gespart, gespart. Hoffen wir wenigstens, dass auf Allnatura nicht das zutrifft, was Stefan Winterbauer in www.meedia.de in seinem Werbe-Ausblick auf 2018 so köstlich beschrieben hat:

„Ist es eigentlich ein Naturgesetz, dass Online-Werbung immer so grottenschlecht sein muss? Auch nach zig Jahren Digitalisierung werden wir immer noch von blinkenden Kirmesbannern und aufdringlichen Pop-ups behelligt. Es ist sogar schlimmer denn je! Und kauft man sich im Internet ein paar Schuhe, verfolgen einen ebendiese gekauften Schuhe noch Monate später in immer neuen Endlos-Anzeigen. Online-Werbung ist penetrant, schlecht gemacht und ramschig bis zum geht nicht mehr. 2018 sollte endlich das Jahr sein, in dem sich Werbetreibende und Agenturen ein Herz fassen und dieses Trauerspiel beenden. Es muss doch möglich sein, digitale Werbeformate zu entwickeln, die nicht kolossal nerven und nicht aussehen wie von Rudis Reste Rampe?“

Print is here to stay.

Ihr Reinhard Berlin