Rettet die Bäume

Das wurde aber auch Zeit! Jetzt retten endlich auch die Grünen die Bäume. Die Tageszeitung „taz“ – ich setze die vereinfachend einfach mal mit den Grünen gleich – denkt laut über die Abschaffung ihrer werktäglichen, gedruckten Ausgabe nach. Die Begründung liefert der Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch in einem Brief – gedruckt auf Papier – an seine Mitglieder der taz-Genossenschaft gleich mit: RETTET DIE BÄUME!

Zitat Ruch: „Die Zeitungen werden am frühen Morgen an die Kioske ausgeliefert, um am Abend zu 90% wieder als Altpapier dort eingesammelt zu werden.“ Da könnte man doch glatt auf die Idee kommen, dass der potenzielle Kioskbesucher kein Interesse an der taz hat. Also, die Ranzen geschultert und schnell die Welt und die Wälder retten.

Klar, die Zeitungs- und Zeitschriftenauflagen sinken überall. Nun zeigt eine repräsentative Studie „New Storytelling“: Nur 57 Prozent der Befragten glauben daran, dass Printmedien im Jahr 2028 noch eine Rolle spielen. Die noch alarmierendere Nachricht: Die junge Altersgruppe sieht eine Ablösung durch Smartphone und Co schon früher. Die Lufthansa hat schon vor Jahren die kostenlosen Zeitschriften in der Holzklasse abgeschafft. BMW und Mercedes wollen ihre Kundenmagazine in die Tonne treten. Begründung: Baumrettung, klar! Und die Allianz-Versicherung will keine Rechnungen oder Versicherungsbescheide mehr per Post verschicken. Warum? Man ahnt es schon. Portugiesische Eukalyptusbaumbestände sollen gerettet werden. Portoeinsparung? Nein. Vielleicht ein kleiner, unbedeutender Nebeneffekt. Es geht um die Bäume.

Blöd nur, dass gerade weltweit vielfach Kunststoffverpackungen durch Kartonverpackungen ersetzt werden. Die Europäische Kommission hat soeben eine „Plastikstrategie“ verabschiedet. Da sollen auch Kunststofftrinkhalme durch Papierhalme ersetzt werden. Da werden in Zukunft die europäischen Caipirinha-Trinker ganze Urwälder vernichten.

Die Hör Zu hatte mal eine Auflage von über 4 Millionen Exemplaren. Die letzte Leseranaylse verzeichnet eine Auflage von etwa 950.000 Exemplaren. Nach taz-, Allianz- und Lufthansalogik verzichten also 3.050.000 Käufer inzwischen auf die Fernsehzeitschrift um……? Klar: Um Bäume zu retten.

Der dramatische Medienwandel ist natürlich in vollem Gange. Zeitungen und Zeitschriften werden verschwinden, Lexika nicht mehr gedruckt, weniger Briefe verschickt. Aber, liebe Medienmanager: Lasst Euch bitte bei euren traurigen Erklärungen eine andere Begründung einfallen. Die BRAVO stirbt nicht, weil irgendein Verlag Bäume retten will. Sie stirbt, weil den Scheiß keiner mehr lesen will. Womit wir bei den kleinen, feinen Sanitärrollen wären, die immer noch ganze Wälder verschlingen. Wenn Herr Ruch von der taz wirklich Bäume retten möchte, sollte er sich vielleicht eine japanische Toilette mit Wasserspülung anschaffen. Das ist erstens sehr hygienisch und zweitens kann er die 90% der nicht verkauften taz-Exemplare dann in endlich der Altpapierverwertung zuführen und muss sie nicht mehr fürs große Geschäft kleinschnippeln….

In diesem Sinne

Ihr Reinhard Berlin