Verkehrte Welt?!

Alles Bio -oder was? Mehr als 100 Bio- oder Öko-Siegel zieren unsere Lebensmittel. Und natürlich ist auch unser Rohstoff, das Papier, vielfach belabelt. FSC, PEFC, Blauer Engel, Euroblume, Aqua pro Natura, Ökopaplus und und und….

Natürlich blickt da niemand durch. Und welches Siegel bevorzugt wird, ist nicht selten den Marketinganstrengungen der Herausgeber geschuldet. Geradezu verrückt wird es bei den Kennzeichnungen für Klimaneutralität. Was bitte ist eine klimaneutrale Unternehmensberatung? Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um eine Beratung, die ein Unternehmen in Bezug auf Klimaneutralität berät. Nein. Die Beratung ist klimaneutral. Da muss dann wohl der Berater seine Flatulenzen unterdrücken, oder?

Egal. Allein die Tatsache, dass niemand mehr durchblickt, sollte uns vielleicht über einen ganz anderen Ansatz nachdenken lassen.

Andersrum, bitte!

Wäre es nicht viel ehrlicher, dass die Produkte gekennzeichnet werden MÜSSEN, die nicht Bio, die nicht umweltverträglich sind. Alles, was mit Pestiziden behandelt, mit Zusatzstoffen vollgepumpt oder gentechnisch verändert ist, müsste dementsprechend ausgewiesen sein. Und noch härter: Papier aus nicht nachhaltiger Forstwirtschaft, dürfte gar nicht mehr auf den Markt kommen.

Statt der Kennzeichnung „Bio-Tomaten aus Österreich“ würden wir dann vielleicht lesen „chemisch behandelte Tomaten aus Spanien“. Der Aufschrei der Produzenten wäre sicher nicht zu überhören. Neben dem Bio-Schnitzel würde in der Kühltheke dann vielleicht das „Schweinefleisch mit Antibiotika“ liegen. Da wüsste wenigstens jeder, was er zu tun hat. Ohne lange nachzudenken, oder das Kleinstgedruckte mit der Lupe zu suchen.

Man darf ja mal träumen….