Einfach war es noch nie zwischen Gut und Böse zu unterscheiden

Was die eine Gesellschaft erlaubt, kann in der anderen schon einen Regelverstoß bedeuten. Wer allerdings in diesen nicht einfachen Corona-Zeiten mit offenen Augen durch die Nachrichten surft, erkennt relativ schnell, wo gute Eigenschaften plötzlich freiwerden, wo positive Akzente für die Allgemeinheit sichtbar werden. Das Netz ist voll mit tollen, kreativen Aktionen. Und wir alle hoffen, dass sich dies nach Überwindung der Krise fortsetzt.

Natürlich erleben wir auch im geschäftlichen Umfeld viel Zuspruch. In unserer internen WhatsApp-Gruppe „Good news“ lesen wir täglich über positive Kontakte mit Kunden, von neuen Aufträgen und das Wort „Danke“ feiert eine schöne Renaissance. Allein 61 Zahlungseingänge am Tag 3 der „Hochsicherheitsstufe“ ist ein besonders erfreulicher Wink unserer Kunden an uns. Wie wir uns bemühen, unseren Teil zur Überwindung der Krise beizutragen, haben Kunden und Lieferanten in vielen Gesprächen von uns persönlich gehört. Und für unsere strengen Maßnahmen vom ersten Tag an haben wir viel Lob bekommen.

Dass jedoch zum Gut auch immer das Böse gehört, wissen wir seit Adam und Eva. Und in die Böse-Rolle schlüpfen wieder einmal – wie könnte es anders sein – die Versicherungen. Seit fast 30 Jahren haben wir eine Warenkreditversicherung. Ein Zahlungsausfall eines insolventen Kunden in 6stelliger DM-Höhe gab damals den Anlass, unsere erbrachten Leistungen gegen Ausfall zu versichern. Nicht ganz billig der Spaß. Im Jahr 2019 haben wir knapp 25.000 € an Prämie gezahlt.

Außer Rechnungen haben wir nie viel von unseren „Beschützern“ gehört oder gesehen. Jetzt allerdings schreiben sie täglich mehrfach. Im Betreff lapidar „Aufhebung der Versicherungssumme“. Dann folgt der Name des Kunden mit der Bemerkung „Versicherungssumme 0“. Das Wort „Corona“ kommt in den Kündigungsschreiben übrigens nicht vor. Da heißt es in Bezug auf einen Kunden, der seit 1999 immer pünktlich und zuverlässig bezahlt hat: „Die für Ihren Kunden erhältlichen Informationen reichen nicht aus, um Ihren derzeitigen Versicherungsschutz aufrecht zu erhalten.“ Übrigens ein Unternehmen, dessen gute Geschäftszahlen man unter www.bundesanzeiger.de jederzeit einsehen kann.

Aber kein Schreiben ohne einen aufmunternden Werbetext zum Schluss:

Die sinnvolle Ergänzung zur Warenkreditversicherung: Unser „Schutz vor Bestellerbetrug“! Damit verhindern Sie Verluste und hohe Schäden durch gefälschte oder betrügerische Bestellungen. Schließen Sie diese Lücke in Ihrem Risikomanagement und schützen Sie sich jetzt unkompliziert und kostengünstig:

Auch wir haben auch einen Schlusssatz, geklaut von der aktuellen Homepage der Allianz:

„Gerade in diesen Zeiten sollen Sie wissen, dass Sie sich auf die Allianz verlassen können.“

Na denn….

PS: Es fehlt ja noch Ugly. Da sind wir uns sicher alle einig. Das ist das Virus höchstpersönlich. Hübsch ist diese bunte Kugel nun wirklich nicht.